Kommentar der Woche

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AIRBUS A380PLUS: TOP ODER FLOP?

von Peter Pletschacher und Co-Autor Hendrik Durst (Quelle: "Flugpost" 25, 26.06.2017)

Der Airbus A380 ist schon lange im Sinkflug – und Airbus sucht händeringend nach Möglichkeiten, den Riesen-Flieger für Airlines attraktiver zu machen und die Erosion des Programms zu stoppen. Auf der Paris Air Show wurde nun überraschend die A380plus vorgestellt, die durch aerodynamische Verbesserungen einen Verbrauchsvorteil von immerhin vier Prozent gegenüber dem herkömmlichen Modell erreichen soll. Neben der sichtbarsten Veränderung – 4,60 Meter hohe, geteilte Winglets – sollen dazu überarbeitete Tragflächen und Rumpfübergänge beitragen. Darüber hinaus soll die Neuauflage unter anderem mit einem drei Tonnen höheren Höchstabfluggewicht, zusätzlichem Platz für bis zu 80 Passagiere sowie verlängerten Wartungsintervallen punkten. Eine komplette Neuauflage des Flugzeugs mit neuen Triebwerken – einst vorgestellt als A380neo – soll es aber vorerst nicht geben.

Airbus spreche mit zahlreichen Airlines über die A380plus, auch mit Emirates, verkündete Frank Vermeire, Marketingchef der A380, noch in Paris. Emirates, bisher größter Abnehmer der A380 und der wohl einzige wirkliche Hoffnungsträger für die Zukunft des Programms, ist jedoch noch nicht so recht überzeugt. „Ich will keine Flugzeuge, die in absehbarer Zeit überholt sind“, so Emirates-Boss Tim Clark. Sofern Airbus die benötigten Flugzeuge zu einem passenden Preis anbiete, werde Emirates wahrscheinlich weiterhin herkömmliche A380 bestellen. Für Airbus mag die A380plus eine kostengünstige Alternative zur einst angedachten A380neo sein, denn eine komplette Überarbeitung des Giganten sowie neue Triebwerke wären kostspielig und ein risikoreiches Investment geworden. Auf der anderen Seite ist es aber fraglich, ob die Vorteile der A380plus ansprechend genug für Kunden wie Emirates sein werden.